Zu Besuch bei einer Nürnberger Institution: die Kartonagenfabrik Wölfel
- Richard Hennig
- vor 23 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Manchmal reicht ein Blick hinter eine unscheinbare Werkstatttür in Gostenhof, um zu verstehen, wie viel Handwerk, Geschichte und Ideenreichtum in einem einzigen Produkt stecken können. Drei Bewohner unserer Einrichtung sowie unsere Praktikantin Jana haben genau das erlebt: einen Vormittag bei der Kartonagenfabrik Wölfel in der Hessestraße – einem Familienbetrieb, der seit 1897 an derselben Adresse Kartons, Schachteln und Verpackungen fertigt.
Ein Besuch mit viel Zeit und noch mehr Geschichten
Empfangen wurde unsere Gruppe von Herrn Röthlingshöfer, der die Firma vor einiger Zeit von Hilmar Wölfel übernommen hat. Selbst aus einer Familie von Kartonagenherstellern stammend, kennt er das Handwerk von Grund auf – und das war während des gesamten Rundgangs zu spüren. Er nahm sich außergewöhnlich viel Zeit, erklärte geduldig jeden Arbeitsschritt und ließ die Gäste an mehreren Maschinen selbst Hand anlegen. Genau diese Mischung aus Fachwissen und echtem Interesse an seinen Besuchern machte den Ausflug zu einem besonderen Erlebnis.
Über 125 Jahre Tradition an einem Ort
Was die Kartonagenfabrik Wölfel so besonders macht, ist ihre Geschichte: 1897 gründete Jean Wölfel den Betrieb in Nürnberg-Gostenhof, in dritter Generation führte ihn später sein Enkel Hilmar Wölfel weiter. Seit über einem Jahrhundert wird in der Hessestraße also durchgehend produziert – ein Umstand, der angesichts des heutigen wirtschaftlichen Wandels fast schon selten geworden ist. Die Firma steht seit jeher für individuelle, oft sehr kreative Verpackungslösungen abseits der Massenware: Wer eine besondere Idee für seine Verpackung hat, ist hier genau richtig.
Beeindruckt hat unsere Gruppe vor allem das Werkstattgebäude selbst: drei Stockwerke, vollgepackt mit historischen wie modernen Maschinen, dazwischen meterhohe Regale mit unzähligen Papier- und Kartonsorten in allen erdenklichen Farben und Stärken – von zartem Graspapier bis zu edlem Perlglanzkarton. Ein echtes Materiallager für Kreative. Und wer nach so viel Technik und Papierduft eine Verschnaufpause brauchte, fand sie im liebevoll begrünten Hinterhof der Fabrik – ein kleines grünes Refugium mitten im Gewerbegebiet.
Warum solche Ausflüge für unsere Arbeit wichtig sind
Besuche wie dieser sind mehr als ein netter Vormittag außer Haus. Sie zeigen unseren Bewohnerinnen und Bewohnern reale Arbeitswelten, geben Einblick in traditionelle Handwerksberufe und schaffen Gesprächsanlässe abseits des Alltags in unserer Einrichtung. Der direkte Kontakt zu Menschen wie Herrn Röthlingshöfer, der mit sichtbarer Leidenschaft von seinem Beruf erzählt, kann dabei genauso wertvoll sein wie das Erlernen praktischer Fähigkeiten – beides sind wichtige Bausteine auf dem Weg zurück in ein selbstständiges, straffreies Leben.
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Röthlingshöfer und der gesamten Kartonagenfabrik Wölfel für die offenen Türen, die ausführlichen Erklärungen und die Gastfreundschaft. Ausflüge wie dieser sind nur möglich, weil sich Menschen und Unternehmen Zeit nehmen, um mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern in Kontakt zu treten!



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