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Zauberhaftes Handwerk: Zu Besuch bei Nürnbergs letztem Zauberkasten-Drechsler

  • Richard Hennig
  • vor 18 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Manche Werkstätten findet man nicht auf den ersten Blick. Die von Frank Grottenthaler liegt im Obergeschoss eines Gostenhofer Hinterhauses, über eine steile Metalltreppe zu erreichen. Drei Bewohnerinnen und Bewohner unserer Einrichtung, eine Praktikantin und Marco haben sich morgens auf den Weg dorthin gemacht – zur Holzdrechslerei in der Volprechtstraße, wo bis heute die legendären „Nürnberger Zauberkasten“ von Hand gefertigt werden.


Empfang mit Zaubershow

Herr Grottenthaler empfing die Gruppe persönlich und nahm sich ausgiebig Zeit, um seine Werkstatt und seine Arbeit vorzustellen. Statt einer trockenen Führung gab es sogar eine kleine Zaubershow: Mit sichtlicher Freude führte er einige der Tricks vor, deren hölzerne Utensilien er selbst an der Drehbank anfertigt. Denn Frank Grottenthaler beherrscht sein Handwerk nicht nur in der Herstellung, sondern genauso in der Anwendung – eine seltene Kombination, die den Besuch besonders lebendig gemacht hat.


Der letzte seiner Zunft

Was den Besuch besonders macht: Frank Grottenthaler ist der letzte Drechsler, der die traditionellen Nürnberger Zauberapparate aus Holz noch herstellt. Die Werkstatt, die er 1993 von seinem Lehrmeister Gustav Vierlinger übernahm, reicht in ihrer Tradition bis ins Jahr 1875 zurück, als dessen Großvater Christoph Vierlinger mit der Herstellung von Zauberartikeln begann. Die daraus entstandenen „Nürnberger Zauberkästen“ gingen um die Jahrhundertwende in alle Welt und wurden auf Gewerbeausstellungen mehrfach ausgezeichnet. Bis heute entstehen sie in derselben handwerklichen Manier: Kugelbüchsen, Changier-Urnen, Würfelurnen und Becherspiele – jedes Teil ein Unikat von der Drehbank.

Die Werkstatt selbst ist kaum größer als dreißig Quadratmeter, aber vollgestopft mit Geschichte: schmale Werkbänke, kleine und große Drechselmaschinen, eine Wand voller Holzstäbe – und mittendrin ein knisternder Ofen. Ein Ort, an dem man sofort spürt, dass hier seit Jahrzehnten mit Hingabe gearbeitet wird.



Wenn Arbeit zur Berufung wird

Was unsere Bewohnerinnen und Bewohner bei diesem Besuch vor allem mitgenommen haben, war weniger das Handwerk selbst als die Haltung dahinter: Hier arbeitet jemand seit über drei Jahrzehnten an derselben Drehbank – und wirkt dabei jeden Tag ein bisschen begeisterter. Diese Erfahrung ist für Menschen, die gerade neu über ihren eigenen Weg nachdenken, oft wertvoller als jede Theorie: zu sehen, dass es Berufe gibt, in denen man wirklich aufgeht, und dass sich Ausdauer und Leidenschaft am Ende auszahlen. Erfüllung entsteht selten über Nacht – sie wächst, wenn man einer Sache treu bleibt und sie mit den eigenen Händen immer weiter perfektioniert. Genau diese Erkenntnis mitzunehmen, ist manchmal der wichtigste Schritt auf dem Weg zurück in ein selbstständiges Leben.


Wir bedanken uns herzlich bei Frank Grottenthaler für die Gastfreundschaft, die Geduld und die kleine Zaubershow – und dafür, dass er uns gezeigt hat, wie viel Freude in einer Arbeit stecken kann, die man wirklich liebt.

 
 
 

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