Neue Horizonte – Marco startet monatliche Betriebsausflüge für Bewohner:innen
- Richard Hennig
- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Einen Beruf zu finden, der wirklich passt – oder überhaupt erst zu entdecken, was einen interessiert: Das ist für viele Menschen eine Herausforderung. Für Bewohner:innen der CISS, die nach der Haft oft vor einem kompletten Neuanfang stehen, ist diese Frage besonders drängend. Unser Arbeitsanleiter Marco hat darauf eine praktische und kreative Antwort gefunden.
Seit Kurzem fährt Marco einmal pro Monat mit interessierten Bewohner:innen in einen handwerklichen Betrieb in der Region – um dort nicht nur zuzuschauen, sondern echte Einblicke in Arbeitsabläufe, Berufsfelder und die tägliche Realität verschiedener Handwerksberufe zu bekommen. Das Programm trägt den passenden Titel: „Gemeinsam neue Arbeitswelten entdecken."

Die Idee: Arbeit erleben statt besprechen
Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Wer einen Betrieb von innen gesehen hat, wer verstanden hat, wie dort gearbeitet wird, wer vielleicht sogar kurz selbst Hand angelegt hat – der kann eine deutlich informiertere Entscheidung treffen, ob dieser Weg für ihn oder sie in Frage kommt. Prospekte und Berufsberatungsgespräche sind gut. Aber nichts ersetzt den direkten Eindruck.
Der erste Ausflug: Textildruck bei subucoola
Den Anfang machte ein Besuch bei subucoola – Textildruck im Heizhaus, Wandererstraße 89c in Nürnberg. Am 19. Mai machte sich die Gruppe auf den Weg und tauchte in die Welt des professionellen Textildrucks ein – von der Motivgestaltung bis zur fertigen bedruckten Textilie. Ein Betrieb, der handwerkliches Können mit kreativer Arbeit verbindet und damit einen ganz eigenen Einblick in das weite Spektrum handwerklicher Berufe bietet.
Was die Aktion leisten soll
Auf dem Flyer, mit dem Marco die Aktion intern bekannt gemacht hat, stehen vier Ziele, die das Herzstück des Projekts zusammenfassen:
Einblicke gewinnen – in Betriebe, Abläufe und Berufsfelder, die man vielleicht noch nie von innen gesehen hat
Orientierung finden – in einer Phase, in der viele Fragen offen sind und Antworten gefragt sind
Perspektiven erweitern – weil der eigene Horizont sich nur durch neue Erfahrungen vergrößert
Interessen entdecken – manchmal weiß man erst, was einen begeistert, wenn man es erlebt hat
All das klingt gut auf dem Papier – aber das Besondere an Marcos Ansatz ist, dass es eben nicht auf dem Papier bleibt.
Handwerk hat goldenen Boden und öffnet Türen
Handwerkliche Berufe bieten gerade für Menschen, die nach einer Haftzeit wieder Fuß fassen wollen, oft besonders gute Einstiegsmöglichkeiten: Sie sind praxisorientiert, bieten klare Strukturen, häufig gute Übernahmechancen nach der Ausbildung und in vielen Branchen eine stabile Nachfrage. Wer weiß, welcher Bereich ihn wirklich anspricht, kann gezielter auf Ausbildungs- oder Arbeitssuche gehen.
CISS e.V. unterstützt ihre Bewohner:innen seit jeher dabei, nicht nur kurzfristig eine Unterkunft und Struktur zu finden, sondern langfristig in ein selbstständiges, straffreies Leben zurückzufinden. Die berufliche Perspektive spielt dabei eine zentrale Rolle. Marcos monatliche Betriebsbesuche sind ein konkreter Baustein in diesem Prozess – unkompliziert, niedrigschwellig und direkt aus dem Alltag heraus geboren.
Mitmachen erwünscht
Die Betriebsbesuche sind ein freiwilliges Angebot für alle interessierten Bewohner:innen. Wer neugierig ist, spricht einfach Marco an. Die nächsten Betriebe und Termine werden rechtzeitig über den Hausaushang bekanntgegeben.
Wir sind gespannt, welche Arbeitswelten als nächste erkundet werden – und freuen uns über jeden, der diese Chancen nutzt.















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