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Ehrenamtswoche 2026 – Schnuppertage bei der CISS e.V.

  • Richard Hennig
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Die Stadt Nürnberg ruft sie jährlich aus, die Ehrenamtswoche – eine Gelegenheit für gemeinnützige Einrichtungen, sich vorzustellen, Neugierige einzuladen und vielleicht die eine oder den anderen als ehrenamtliche Unterstützung zu gewinnen. Die CISS e.V. hat diese Chance genutzt und war dabei.


Vom Montag, 20. April, bis Mittwoch, 22. April, fanden in der CISS drei Schnuppertage statt – zeitlich angepasst an den laufenden Arbeitsalltag des Hauses, jeweils zwei Stunden lang. Wer kam, wurde herzlich empfangen: Die Küche hatte Kaffee, Snacks und selbstgemachten Kuchen vorbereitet – liebevoll und, wie von allen bestätigt, außerordentlich lecker.


Neun Anmeldungen, fünf Gäste – und zwei erfahrene Stimmen

Im Vorfeld hatten sich neun Personen angemeldet. Letztendlich kamen fünf – eine realistische Quote, wie sie bei solchen Veranstaltungen nicht ungewöhnlich ist. Wichtiger als die Zahl: Wer kam, war wirklich interessiert.

An allen drei Tagen unterstützt, haben auch: Inge und Niklas – zwei (ehemals) aktive Ehrenamtliche der CISS, die aus erster Hand erzählen konnten, wie es sich anfühlt(e), in der Einrichtung mitzuwirken. Ihre persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und kleinen Geschichten aus dem Alltag waren an diesem Tag wertvoller als jede Broschüre.


Der Vorurteilscheck als Eisbrecher

Nach einer Vorstellungsrunde folgte gleich zu Beginn der sog. „Vorurteilscheck“ – vier überzogene Aussagen mit klassischen Klischees rund um das Thema Haftentlassung. Beispiele: „Haftentlassene wollen nicht arbeiten“ oder „Sie nutzen Ehrenamtliche nur aus.“

Das Format diente als Eisbrecher – und es funktionierte. Die Aussagen luden ein, ins Gespräch zu kommen, über eigene Vorannahmen nachzudenken und sie gemeinsam zu hinterfragen. Eine lockere, aber wirkungsvolle Methode, um eine Gruppe Fremder miteinander sprechen zu lassen.


Einblick ins Programm und in die Einsatzbereiche

Anhand eines Flipcharts wurde anschließend das Tagesprogramm der CISS vorgestellt – wie ein typischer Alltag in der Einrichtung aussieht und wo Ehrenamtliche konkret eingesetzt werden können. Die Bandbreite ist größer, als viele erwartet hätten: vom Bewerbungstraining über einen Nähkurs bis hin zur Einzelbetreuung, bei der es um ganz praktische Dinge geht – Begleitung zu Behörden, Unterstützung bei der Wohnungssuche oder einfach ein verlässliches Gespräch.

Genau an dieser Stelle kamen wieder Inge und Niklas zu Wort – und ihre Berichte machten deutlich, dass ehrenamtliches Engagement in der CISS kein abstraktes „Helfen“ ist, sondern echte Begegnung auf Augenhöhe.


Klare Grenzen – und warum sie schützen

Zum Abschluss gab es einen wichtigen, oft unterschätzten Teil: die Grenzen des Ehrenamts. Denn wer sich engagieren möchte, muss auch wissen, worin die eigene Rolle besteht – und worin ausdrücklich nicht.


Ehrenamtliche in der CISS sind keine Sozialarbeiter:innen, keine Therapeut:innen und keine Freunde im privaten Sinne.

Konkret bedeutet das: Damit die Zusammenarbeit für alle Beteiligten verlässlich und positiv verläuft, gibt es klare Rahmenbedingungen – etwa keine privaten finanziellen Beziehungen, keine Weitergabe persönlicher Kontaktdaten und keine Vernetzung über soziale Medien.

Diese Grenzen schaffen Orientierung – sie schützen alle Beteiligten und sind Grundlage für eine gesunde, nachhaltige Beziehung zwischen Ehrenamtlichen und Bewohner:innen.


Das Schönste am Ende: „Jede:r hat eine zweite Chance verdient“

Was den Schnuppertagen – neben dem guten Kuchen – am meisten in Erinnerung geblieben ist: die Haltung der Gäste. Keiner der Anwesenden brachte kritische Vorurteile gegenüber haftentlassenen Menschen mit. Niemand fragte misstrauisch nach oder zeigte Berührungsangst. Stattdessen prägte ein Gedanke die Gespräche an allen drei Tagen: Jede:r hat eine zweite Chance verdient!

Für eine Einrichtung wie die CISS, die seit über 50 Jahren genau dafür einsteht, ist das mehr als ein schöner Satz. Es ist eine Bestätigung, dass die Gesellschaft – zumindest ein Teil von ihr – bereit ist, Menschen jenseits ihrer Vergangenheit zu sehen.

Wir danken allen, die sich die Zeit genommen haben zu kommen – und besonders Inge und Niklas für ihr Engagement und ihre Offenheit. Wer sich vorstellen kann, bei der CISS ehrenamtlich aktiv zu werden, darf sich jederzeit melden.

Kontakt Ehrenamt

Kate Grabowski ist bei CISS für die Betreuung der Ehrenamtlichen zuständig.



 
 
 

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